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Wärmerückgewinnung in der Lebensmittelindustrie: Technologien, Potenziale und Fördermöglichkeiten

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31. Juli 2026

Die meisten Lebensmittelbetriebe bezahlen zweimal für Energie: einmal für die Kälte, einmal für die Wärme. Dabei entsteht die Wärme als Nebenprodukt der Kälteerzeugung und wird täglich ungenutzt abgeführt. Die größte ungenutzte Ressource in Lebensmittelbetrieben ist nicht erneuerbare Energie von außen, sondern die Abwärme, die bereits im Prozess entsteht. Wer Wärmerückgewinnung konsequent erschließt, senkt den Primärenergieverbrauch und die CO₂-Emissionen, ohne die Produktqualität oder Versorgungssicherheit zu gefährden.

Was Wärmerückgewinnung ist

Wärmerückgewinnung in Kälteanlagen bezeichnet die Nutzung der bei der Kälteerzeugung entstehenden Kondensationswärme für Heizzwecke, Warmwasserbereitung oder Prozesswärme. Kältemaschine und Wärmesenke werden über Wärmetauscher oder eine Wärmepumpe gekoppelt, um die Gesamtenergieeffizienz des Systems zu steigern. Abwärme, die sonst ungenutzt abgeführt würde, ersetzt fossile Energieträger und senkt den Energieverbrauch des Betriebs messbar.

Relevante Technologien im Überblick:

  • Plattenwärmetauscher (rekuperativ, Austauschgrad bis 90 %)
  • Industriewärmepumpen (Jahresarbeitszahl (JAZ) 3,0–5,5)
  • Rekuperatoren für Lüftungs- und Trocknungsanwendungen

Kältemittel mit geringerem Treibhauspotenziall: NH₃ (Ammoniak, Global Warming Potential (GWP/ Treibhauspotenzial = 0), CO₂ (GWP = 1), R290 Propan (GWP = 3)

Welche Methoden der Wärmerückgewinnung gibt es?

Rekuperative Systeme, regenerative Systeme und Kreislaufverbund-Konzepte bilden die drei Hauptmethoden der Wärmerückgewinnung. Die Wahl hängt vom Temperaturniveau, der Prozessstruktur und dem verfügbaren Investitionsrahmen ab.

Rekuperative vs. regenerative Wärmerückgewinnung

Rekuperative Wärmerückgewinnung überträgt Wärme kontinuierlich über eine Trennwand, typischerweise im Plattenwärmetauscher. Austauschgrade bis 90 % sind unter optimalen Betriebsbedingungen erreichbar. Regenerative Systeme speichern Wärme zeitlich versetzt in einer Speichermasse und geben sie verzögert ab; typische Austauschgrade liegen je nach Konfiguration zwischen 60 und 85 %.

Für kontinuierliche Produktionsprozesse mit stabilen Temperaturniveaus ist die rekuperative Variante in der Regel vorzuziehen. Regenerative Systeme eignen sich besonders dort, wo Wärmequelle und Wärmesenke zeitlich versetzt anfallen, etwa in Batch-Prozessen der Lebensmittelproduktion.

Kreislaufverbund-Systeme in der Lebensmittelproduktion

Ein Kreislaufverbund-System koppelt Kältemaschine, Industriewärmepumpe und digitale Steuerung zu einem geschlossenen Energiekreislauf. Lebensmittelbetriebe haben dabei einen strukturellen Vorteil: Kälte- und Wärmebedarf fallen gleichzeitig an, in Produktion, CIP-Reinigung (Cleaning in Place), Pasteurisierung und Lagerung. Dies ermöglicht eine besonders effiziente Systemauslegung. Als Orientierungswert gilt eine Rückwärmzahl von über 60 % für gut ausgelegte Verbundsysteme; tatsächliche Werte hängen vom Temperaturniveau, den Betriebsstunden und der Anlagenauslegung ab.

Abwärmenutzung über Industriewärmepumpen

Industriewärmepumpen heben Abwärme auf ein nutzbares Temperaturniveau an. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen auf Basis der thermeco₂-Technologie mit CO₂ im transkritischen Betrieb erreichen Vorlauftemperaturen bis 120 °C; in bestimmten Konfigurationen, abhängig von der Druckstufe und der Kaskadenschaltung, sind bis 150 °C erreichbar. Das genügt für Prozessdampf, Pasteurisierung und anspruchsvolle Sterilisationsprozesse.

Der Coefficient of Performance (COP) hängt maßgeblich vom Temperaturhub ab: Bei einem Hub von 20 Kelvin sind COP-Werte von 5–6 erreichbar, bei 40 Kelvin sinkt der COP auf 4–5. Ein hoher COP allein ist kein ausreichendes Entscheidungskriterium: Wird der TEWI-Wert (Total Equivalent Warming Impact) durch einen hohen Emissionsfaktor des Strommixes dominiert, kann eine Anlage mit niedrigerem COP und Strom aus erneuerbaren Energien klimatisch besser abschneiden. Kaskadenschaltungen mehrerer Wärmepumpen können wirtschaftlich sinnvoller sein als eine einzelne leistungsfähigere Einheit, wenn höhere Temperaturniveaus gefordert sind.

System Typischer Austauschgrad/JAZ Vorlauf-temperatur Typische Einsatzbereiche
Plattenwärmetauscher bis 90 % 30 - 70 °C Prozesswärme, Warmwasser
Rekuperator 60 - 85 % 40 - 80 °C Lüftung, Trocknung
Industriewärmepumpe JAZ 3,0 - 5,5 bis 150 °C Prozessdampf, Heizung, Sterilisation
MVR (Mechanische Dampfkompression) ca. 50 % Energieeinsparung ggü. konventionell Dampfdruck-abhängig

Hochtemperatur-prozesse > 150 °C

 

Wo liegen die größten Energiepotenziale in der Lebensmittelindustrie?

Die größten Einsparpotenziale liegen in der Kondensationswärme aus Kälteanlagen, der Abluft aus Trocknern und Blanchieranlagen sowie der Kompressorabwärme aus Druckluftanlagen. Gut ausgelegte Wärmerückgewinnungssysteme decken 20–50 % des betrieblichen Wärmeenergiebedarfs aus diesen Quellen.

Ungenutzte Abwärme als unterschätzter Effizienzhebel

Vier Faktoren bremsen die Erschließung von Abwärme: fehlende Energieflusstransparenz, mangelnde Systemkonzepte, Investitionsunsicherheit und fehlende Teillastfähigkeit von Bestandsmaschinen. Druckluftkompressoren, die in Lebensmittelbetrieben verbreitet eingesetzt werden, geben erhebliche Wärmemengen ab. Diese Kompressorabwärme lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand über Wärmetauscher für Heizzwecke oder Warmwasserbereitung nutzbar machen.

Das Forschungsprojekt Food-Pinch der RWTH Aachen mit Praxispartnern wie MAGGI Werk Singen, Nestlé Wagner und Stockmeyer entwickelt dynamische Wärmeintegration für die Lebensmittelindustrie und zeigt in Demonstratoren Einsparpotenziale im Bereich von rund 15–25% bzw. in einzelnen Anwendungen auch darüber hinaus.

 

Welche Prozesse bieten die höchsten Einsparpotenziale?

Drei Hebel, priorisiert nach Wirkungstiefe:

  1. Konsequente Abwärmenutzung: Kondensationswärme aus Kälteanlagen, Abluft aus Trocknern und Blanchieranlagen sowie Rauchgaswärme können zur Senkung des fossilen Energiebedarfs beitragen. Je nach Medium, Temperaturniveau und Auslegung sind hohe Rückgewinnungsgrade möglich, in Einzelfällen auch sehr hohe Werte; sie sind jedoch nicht pauschal für alle Anwendungen erreichbar.
  2. Intelligente Vernetzung von Produktionsprozessen: Kreislaufverbundsysteme mit digitaler Steuerung reduzieren Energieverschwendung durch bedarfsgerechte Verteilung.
  3. Digitale Betriebsoptimierung: Prädiktive Wartung (Smart Maintenance) und Monitoring steigern die Effizienz im laufenden Betrieb und reduzieren ungeplante Stillstände.

Punktuelle Optimierung einzelner Komponenten reicht für diese Einsparniveaus nicht aus; Systemintegration ist Voraussetzung.

Welche Technologien ermöglichen Wärmerückgewinnung?

Kältemittel, Wärmepumpen und digitale Steuerungssysteme bilden das technologische Fundament der Wärmerückgewinnung. Ihr Zusammenspiel welche Einsparpotenziale tatsächlich erschlossen werden können.

Die Kältemittel NH₃, CO₂ und Kohlenwasserstoffe

Die Auswahl von Kältemitteln erfolgt unter Berücksichtigung technischer, sicherheitsrelevanter und regulatorischer Anforderungen. Dabei können GWP- und TEWI-Werte als Bewertungskriterien dienen. Je nach Anwendungsfall kommen NH₃, CO₂, Kohlenwasserstoffe oder HFO-Kältemittel wie R-1234ze in Betracht. l NH₃ hat GWP 0, CO₂ GWP 1, R290 GWP 3 und R410A GWP 2.088. Aufgrund der verschärften EU-F-Gas-Regeln sind Kältemittel wie NH₃ und CO₂ für viele Neuanlagen eine zukunftssichere Wahl und reduzieren Regulierungsrisiken deutlich.

Der TEWI-Wert bewertet zusätzlich die indirekten Emissionen durch den Strombedarf der Anlage und liefert damit eine ganzheitlichere Bewertungsgrundlage als der GWP-Wert allein. Als Übergangslösung für Anwendungen, in denen Kältemittel aus Sicherheitsgründen nicht einsetzbar sind, bieten HFO-Kältemittel wie R-1234ze (GWP < 1) eine regulatorisch konforme Alternative.

Einschränkend gilt: Sicherheitsanforderungen nach DIN EN 378-1 und Aufstellungsbedingungen unterscheiden sich je Kältemittel erheblich. R-290 (Sicherheitsgruppe A3) erfordert hohe Anforderungen an Leckageerkennung und Sicherheitstechnik.

Digitale Steuerung und Smart Monitoring als Effizienzfaktor

Bedarfsgerechte Energieverteilung im Betrieb setzt digitale Regelstrategien voraus. Monitoring-Systeme zur Leckageerkennung sind zugleich Voraussetzung für die Konformität mit der F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573. Pufferspeicher gleichen zeitlich versetztes Aufkommen von Abwärme und Wärmebedarf aus, etwa bei Batch-Prozessen.

Einsatzmöglichkeiten: Wo lohnt sich Wärmerückgewinnung besonders?

Betriebssicherheit und Redundanz von Wärmerückgewinnungssystemen

In der Lebensmittelproduktion ist ein Ausfall der Kälte- oder Wärmeversorgung mit direkten Produktionsverlusten verbunden. Gut ausgelegte Wärmerückgewinnungssysteme adressieren dieses Risiko durch konstruktive Redundanzmaßnahmen: absperrbare Wärmetauschermodule ermöglichen Wartung im laufenden Betrieb, Doppelpumpentechnik sichert die Wärmeübertragung auch bei Pumpenausfall, und automatischer Frostschutz verhindert Schäden bei niedrigen Außentemperaturen.

Gewerbekälte und Supermarktkälte

Im Lebensmitteleinzelhandel sind CO₂-Verbundanlagen der etablierte Standard für Kältetechnik mit hoher Energieeffizienz. Gut ausgelegte Systeme nutzen die Kondensationswärme direkt für Raumheizung und Warmwasserbereitung, sodass keine zusätzliche Heizung nötig ist. CO₂-Mini-Booster (typisch für Märkte bis ca. 800 m²) und CO₂-Micro-Booster (für Kleinflächenläden unter 400 m²) sind kompakte Systemlösungen mit integrierter Wärmerückgewinnung. VRV-Systeme (Variable Refrigerant Volume) mit integrierter Wärmerückgewinnung ermöglichen simultanen Heiz- und Kühlbetrieb und reduzieren den Gesamtenergieverbrauch gegenüber getrennten Systemen.

Abwärme als Einnahmequelle: Fernwärme und Absorptionskühlung

Abwärme aus Lebensmittelbetrieben und Rechenzentren (Vorlauftemperaturen 25–45 °C) lässt sich über Wärmepumpen auf Nutztemperatur anheben und in Wärmenetze einspeisen. Im Sommerbetrieb bietet Absorptionskühlung einen weiteren Nutzungspfad: Abwärme treibt den Kälteprozess an, ohne zusätzlichen Strom zu verbrauchen. Referenzprojekte in Hamburg und Berlin (Bundeskanzleramt) belegen die Praxistauglichkeit urbaner Abwärmenutzung.

Der Austauschgrad als zentrale Planungskennzahl

Der Austausch- bzw. Rückgewinnungsgrad von Wärmerückgewinnungssystemen beschreibt, welcher Anteil der theoretisch verfügbaren Abwärme tatsächlich nutzbar gemacht wird. Moderne Systeme können unter guten Betriebsbedingungen Rückwärmezahlen von über 90% erreichen, wobei die Gesamtperformance maßgeblich von Wärmetauscher, Regelung und Speicherintegration abhängt. Für die Auslegung sollten neben COP und JAZ auch Kennzahlen zur real nutzbaren Wärmeückgewinnung berücksichtigt werden.

Wie wirtschaftlich ist Wärmerückgewinnung — und welche Förderung gibt es?

Einsparpotenziale und Entscheidungsmatrix nach Betriebsgröße

Industriewärmepumpen erreichen JAZ-Werte von 3,0 bis 5,5: 1 kWh Strom erzeugt bis zu 5,5 kWh nutzbare Wärme. Typische Amortisationszeiten liegen bei 4–8 Jahren für Neuanlagen und 2–5 Jahren bei Bestandsintegration, abhängig vom Energiepreisniveau und von den Betriebsstunden. Das Contracting-Modell bietet eine Investitionsalternative ohne Eigenkapitalbedarf: Errichtung, Betrieb und Finanzierung übernimmt der Dienstleister, die Amortisation erfolgt aus eingesparten Energiekosten. Environmental, Social, and Governance (ESG-) und Corporate Social Responsibility (CSR) Berichterstattungspflichten verstärken den strategischen Investitionsdruck zusätzlich zum Kostenargument.

Technologie Betriebs-größe Temperatur-niveau Investitions-rahmen Empfohlener Einstieg
Plattenwärmetauscher (rekuperativ) klein - mittel 30 - 70 °C niedrig Bestandsintegration, schnelle Amortisation
Kreislaufverbund-System mittel - groß 40 - 90 °C mittel Neuanlage oder umfassende Modernisierung
Industriewärmepumpe (z. B. thermeco2) mittel - groß 70 - 150 °C mittel - hoch Prozessdampf, Pasteurisierung, Sterilisation
CO2-Mini-/Micro-Booster klein (Ge-werbe) 30 - 60 °C niedrig - mittel Supermarkt, Kleinbetrieb mit Wärmerückgewinnung
MVR (Mechanische Dampfkompression) groß > 150 °C hoch Hochtemperaturprozesse, Großbetrieb

 

Welche staatlichen Förderprogramme gibt es — und welche passen zu welchem Betrieb?

Für kleine und mittlere Lebensmittelbetriebe, die Wärmepumpen oder Wärmerückgewinnungssysteme in bestehende Gebäude integrieren, ist die BAFA / BEG EM (Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen) der direkteste Einstieg. Großbetriebe mit Abwärmepotenzialen und Anschluss an ein Wärmenetz profitieren stärker von der BEW (Bundesförderung für effiziente Wärmenetze). Produktionsbetriebe, die Prozessenergie effizienter gestalten wollen, sollten das Förderprogramm KfW 295 (Energieeffizienz in der Produktion) prüfen. Ergänzende Länderprogramme in Bayern, NRW und Baden-Württemberg bieten zusätzliche Zuschüsse, insbesondere für Industrieeffizienz-Maßnahmen. Förderfähigkeit hängt von Anlagentyp, Kältemittel, Effizienzklasse und Verwendungszweck ab; eine frühzeitige Abstimmung mit Förderberatern vor Antragstellung ist empfehlenswert.

Welche regulatorischen Anforderungen gelten — und wann greifen sie?

Die F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 verschärft den Phase-down für fluorierte Treibhausgase und verbietet ab 2025 den Einsatz von HFCs mit GWP > 150 in bestimmten Anwendungen, darunter neue Supermarkt-Verbundanlagen. Bestehende Anlagen unterliegen zunächst keinem Betriebsverbot; Wartung und Befüllung sind jedoch verschärften Anforderungen unterworfen. Für Betreiber mit hohem Energieverbrauch gilt zusätzlich das Energieeffizienzgesetz (EnEfG): Ab definierten Verbrauchsschwellen besteht eine Abwärmenutzungspflicht, deren Umsetzung dokumentiert und nachgewiesen werden muss.

Regelwerk Geltungsbereich Frist/Schwelle Handlungsbedarf
F-Gase-VO (EU) 2024/573 Neue Anlagen mit HFCs 
GWP > 150
Ab 2025 (neue Supermarkt-Verbundanlage) Kältemittelwechsel bei Neuplanung
EnEfG (Abwärme-nutzungspflicht) Unternehmen ab 2,5 GWh/a Endenergieverbrauch Stufenweise ab 2025 Abwärmekataster, Nutzungskonzept
DIN EN 378-1 Alle Kälteanlagen und Wärmepumpen Laufend Sicherheitsprüfung, Aufstellbedingungen
EU-Ökodesign-Richtlinie Kältemaschinen (SEPR-MT als Kennzahl) Laufend Mindest-Effizienzklassen bei Neubeschaffung
ChemRRV (Schweiz) Synthetische Kältemittel Verschärft ab Januar 2025 Kältemittelauswahl bei CH-Standorten
VDI 2071 Wärmerückgewinnung in raumlufttechnischen Anlagen Laufend Planungsgrundlage für Lüftungsanlagen

PFAS-Regulierung: Ein EU-weites Beschränkungsverfahren für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) läuft; synthetische Kältemittel auf PFAS-Basis könnten mittelfristig betroffen sein.

 

Wie lässt sich Wärmerückgewinnung im Bestand wirtschaftlich integrieren?

Bestandsintegration erfordert eine strukturierte Vorgehensweise, um Produktionsunterbrechungen zu minimieren:

  1. Energiefluss-Analyse: Messtechnik und Monitoring schaffen Transparenz über bestehende Kälte- und Wärmebedarfe sowie Abwärmequellen, einschließlich Kompressorabwärme aus Druckluftanlagen.
  2. Potenzialidentifikation: Abwärmequellen und nutzbare Temperaturniveaus kartieren; dynamische Pinch-Analyse für schwankende Prozesstemperaturen einsetzen.
  3. Systemkonzept: Auswahl der geeigneten Methode (rekuperativ, Wärmepumpe, Kreislaufverbund) abhängig von Temperaturniveau und Betriebsprofil.
  4. Stufenweise Integration: Maßnahmen priorisieren, die im laufenden Betrieb umsetzbar sind; Pufferspeicher für zeitlich versetzte Abwärmenutzung einplanen.
  5. Digitale Betriebsoptimierung: Regelstrategien anpassen, Monitoring etablieren, Effizienz kontinuierlich steigern.

Eine Umstellung von Dampf- auf Warmwasserversorgung (unter 100 °C) kann als vorbereitende Maßnahme den COP der nachgeschalteten Wärmepumpe steigern und die Anlagentechnik vereinfachen.

Praxisbeispiele: Welche Effizienzgewinne sind realisierbar?

Osatina Group (Kroatien): Großflächige Gewächshäuser wurden bislang gasbasiert beheizt. Mehrere thermeco₂-Hochtemperatur-Wärmepumpen mit Vorlauftemperaturen bis 90 °C ersetzen die fossile Wärmeversorgung vollständig. Die Dekarbonisierung der Produktionsanlage ist damit unter anspruchsvollen Prozessbedingungen realisiert. Projektspezifische Betriebswerte wie JAZ und eingesparte kWh/Jahr können auf Anfrage bei ENGIE Refrigeration abgerufen werden.

Hybrides Heizsystem: Eine Bestandsanlage mit ineffizienter Wärmeversorgung wurde durch Integration von Kälte und Wärme zu einem hybriden System (monovalent/bivalent betreibbar, Vorlauftemperaturen bis 90 °C) modernisiert. Bestandsmodernisierung erweist sich als wirtschaftlich attraktiver Einstiegspfad, mit Amortisationszeiten, die deutlich unter denen von Neuanlagen liegen können. Herausforderungen bei der Integration betrafen insbesondere die HACCP-konforme Trennung der Kreisläufe und die Anpassung der Regelungstechnik an den Mischbetrieb.

Integrierter Systemansatz vs. Einzellösungen: Wo liegt der Unterschied?

Reine Anlagenhersteller liefern Komponenten, Energielieferanten stellen Versorgung bereit. Weder Hersteller noch Lieferant übernehmen Verantwortung für das Gesamtsystem oder garantieren Einsparungen. ENGIE Refrigeration verbindet beides: Kältetechnik, Industriewärmepumpen, Wärmerückgewinnung, Strom aus erneuerbaren Energien und Finanzierung kommen aus einer Hand, ergänzt durch Branchenexpertise speziell für die Lebensmittelindustrie.

Das Contracting-Modell überträgt Errichtung, Betrieb und Finanzierung vollständig auf ENGIE Refrigeration. Vertraglich garantierte Einsparungen eliminieren das Investitionsrisiko für den Betreiber; die Amortisation erfolgt aus den eingesparten Energiekosten. Smart Maintenance und kontinuierliches Monitoring sichern die Effizienz im Dauerbetrieb.

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