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Großwärmepumpen-von-ENGIE-Refrigeration

Großwärmepumpen und die kommunale Wärmewende: Wie Städte ihre Wärmeversorgung dekarbonisieren

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30. Januar 2026

Eine Großwärmepumpe ist eine industrielle Wärmeerzeugeranlage mit einer Wärmeleistung von typischerweise mehreren hundert Kilowatt bis in den Megawatt-Bereich. Sie entzieht Umwelt- oder Abwärmequellen Energie und hebt diese auf ein nutzbares Temperaturniveau an. In Wärmenetzen eingesetzt, ermöglicht sie die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung für ganze Stadtquartiere. Derzeit stammen rund 70 Prozent der Wärme in deutschen Fernwärmenetzen noch aus fossilen Quellen — dabei dominieren Erdgas und Kohle (Andreas Kuhn ist Key Account Manager Industrial & Commercial Heating bei ENGIE Refrigeration). Mit Großwärmepumpen kann dieser Anteil schrittweise gesenkt werden, um kommunale Klimaziele zu erreichen.

Warum brauchen Wärmenetze dringend eine Transformation?

Wärmenetze sind das Rückgrat der urbanen Wärmeversorgung — doch ihr fossiler Anteil ist nach wie vor hoch. Auf den Gebäudesektor entfallen rund 35 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland, doch davon werden nur 20% durch regenerative Energien gedeckt. Das Wärmeplanungsgesetz 2024 legt fest, dass für alle Gemeindegebiete mit mehr als 100.000 Einwohnern (Stichtag: 1. Januar 2024) spätestens bis zum 30. Juni 2026 ein Wärmeplan erstellt sein muss. Die Länder können diese Pflicht dann per Landesrecht an die Kommunen oder andere planungsverantwortliche Stellen delegieren, was in der Praxis bedeutet, dass Städte und Gemeinden die Wärmeplanung durchführen (oder beauftragen) müssen — ein regulatorischer Rahmen, der Stadtwerke und Energieplaner jetzt zum Handeln zwingt.

Wärmenetze bieten gegenüber dezentraler Versorgung entscheidende Vorteile:

  • Ausgleich lokaler Energieüberschüsse und -bedarfe
  • Integration großer regenerativer Wärmequellen
  • Möglichkeit zur saisonalen Wärmespeicherung
  • Kein Betrieb eigener Heizungsanlagen für Verbraucher
  • Skalierbarkeit für dicht besiedelte Gebiete

Laut einer Studie des Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) muss der Endenergieanteil durch Wärmenetze bis 2030 von 10-15% auf ca 35% steigen, um die Klimaziele zu erreichen. Großwärmepumpen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Welche Wärmequellen kann eine Großwärmepumpe nutzen?

Großwärmepumpen erschließen ein breites Spektrum an Wärmequellen — darunter viele, die für dezentrale Einzelanlagen technisch und wirtschaftlich nicht zugänglich sind. Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erläutert, können Großwärmepumpen Fluss- und Seewasser, Abwasser, industrielle Abwärme, Geothermie und Umgebungsluft in klimaneutrale Wärme umwandeln.

Die folgende Matrix bewertet Wärmequellen nach planungsrelevanten Dimensionen:

Wärmequelle Verfügbarkeit Temperatur-niveau Genehmigungs-aufwand Erschließungskosten Eignung Bestandsnetz
Flusswasser hoch (saisonal) 5 - 20 °C mittel gering (Infrastruktur oft vorhanden) bedingt
Abwasser-
wärme
konstant 10 - 20 °C gering gering - mittel gut
Geothermie sehr konstant 10 - 30 °C hoch hoch gut
Industrielle Abwärme standort-abhängig 20 - 60 °C gering gering sehr gut
Grund-
wasser
konstant 8 - 12 °C hoch (Wasser-recht) mittel gut

 

Die Wahl der Wärmequelle beeinflusst maßgeblich Systemeffizienz, Investitionskosten und Genehmigungsaufwand . Flusswasserwärmepumpen lohnen sich besonders, wenn bereits vorhandene Infrastruktur genutzt werden kann — wie das BMWE am Beispiel der Flusswärmepumpe im Rhein zeigt, die rechnerisch rund 3.500 Haushalte versorgt. Wie enercity erläutert, können durch Kaskadierung mehrerer Großwärmepumpen Anlagen im zwei- bis dreistelligen Megawattbereich entstehen — ein Skalierungsvorteil, den dezentrale Systeme nicht bieten.

Für Stadtwerke und Kommunen besonders interessant: Abwärme aus Rechenzentren wird als Wärmequelle zunehmend relevant — auch in kommunalen Liegenschaften. Das Temperaturniveau liegt typischerweise zwischen 20 und 40 °C und eignet sich gut für den Einsatz einer Großwärmepumpe mit nachgeschaltetem Wärmenetz.

Was kostet eine Großwärmepumpe — und welche Förderungen gibt es?

Die Investitionskosten hängen stark von Leistungsgröße, Wärmequelle und Systemintegration ab. Anlagen im Bereich von 350 kW bis 3 MW liegen je nach Konfiguration typischerweise im Bereich mehrerer hunderttausend bis mehrerer Millionen Euro. Wie der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) erläutert, sind ab etwa 2 MW alle Großwärmepumpen Sonderanfertigungen — die Kosten variieren entsprechend stark.

Die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) bietet attraktive Unterstützung:

  • Investitionszuschuss: bis zu 40 % der förderfähigen Kosten
  • Betriebskostenförderung für Großwärmepumpen — ein Baustein, der in der Planungspraxis häufig unterschätzt wird
  • Antragstellung über das BAFA

Mögliche wirtschaftliche Vorteile gegenüber Gas-KWK:

  • Kein CO₂-Preis auf den Wärmeoutput bei erneuerbarem Strom
  • Jahresarbeitszahl (JAZ/COP) typischerweise 3–5, laut thermondo entspricht das Wirkungsgraden von 300 bis 500 Prozent
  • Langfristige Unabhängigkeit von Gaspreisschwankungen

Eine individuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung ist empfehlenswert, da Strompreise, Wärmequelle und Betriebsstunden die Amortisationszeit maßgeblich beeinflussen. Wer die BEW-Betriebskostenförderung nutzen möchte, sollte die Systemauslegung frühzeitig auf die Fördervoraussetzungen abstimmen — nachträgliche Anpassungen sind oft aufwendig.

Wann ist eine Großwärmepumpe die richtige Wahl?

Die Entscheidung für eine Großwärmepumpe lässt sich anhand von fünf Parametern systematisch prüfen:

Schritt 1 — Wärmebedarf: Liegt der Bedarf unter 200 kW? → Eher dezentrale Wärmepumpe prüfen. Ab 200 kW aufwärts ist eine Großwärmepumpe grundsätzlich sinnvoll.

Schritt 2 — Wärmenetz: Ist ein Wärmenetz vorhanden oder im Aufbau? → Ja: weiter zu Schritt 3. Nein: Netzplanung als Voraussetzung klären.

Schritt 3 — Wärmequelle: Ist eine geeignete Wärmequelle in erreichbarer Nähe erschließbar? → Ja: weiter zu Schritt 4. Nein: Luft-Wasser-Variante oder Hybridlösung prüfen(technische und wirtschaftliche Machbarkeit im Einzelfall bewerten).

Schritt 4 — Vorlauftemperatur: Liegt die erforderliche Vorlauftemperatur über 75 °C? → Hochtemperatur-Wärmepumpe (z. B. thermeco2 bis 90 °C) einplanen.

Schritt 5 — Förderung: Ist eine BEW-Antragstellung geplant? → Systemauslegung frühzeitig auf Förderfähigkeit abstimmen.

Weniger geeignet, wenn:

  • kein Wärmenetz vorhanden und kein Ausbau geplant ist
  • keine geeignete Wärmequelle in erreichbarer Nähe liegt
  • der Wärmebedarf deutlich unter 200 kW liegt

Im Wärmenetz kann eine Großwärmepumpe monovalent oder multivalent als Teil einer integrierten KWK-Lösung betrieben werden. Wird sie zugleich an das Stromnetz angebunden und netzdienlich betrieben, trägt dies laut Bosch dazu bei, das Stromnetz flexibler und stabiler zu machen – ein zentraler Aspekt der Sektorenkopplung.

Welche Rolle spielen Großwärmepumpen bei der Dekarbonisierung von Wärmenetzen?

„Momentan speisen sich Wärmenetze überwiegend fossil. "Rund 70 Prozent der entsprechenden Versorgung besteht heute noch aus Erdgas und Kohle", erklärt Andreas Kuhn, Key Account Manager Industrial & Commercial Heating bei ENGIE Refrigeration. „Großwärmepumpen kommt dabei eine Hebelfunktion zu."

Werden Großwärmepumpen netzdienlich betrieben, gewinnen sie als Flexibilisierungskomponente für den Stromsektor an Bedeutung. Wenn erneuerbare Energien zeitweise mehr Strom erzeugen als verbraucht wird, kann dieser Überschussstrom über Großwärmepumpen als Wärme ins Fernwärmenetz eingespeist werden  - und so Strom- und Wärmesektor im Sinne der Sektorenkopplung gezielt miteinander verknüpfen. Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (IEG) und Agora Energiewende schätzen, dass bis zu 70 Prozent der Wärme in deutschen Wärmenetzen künftig von Großwärmepumpen kommen könnte. Durch die Einbindung von Wärmespeichern lässt sich dieser Flexibilitätsvorteil weiter ausbauen.

Praxisbeispiele: Großwärmepumpen in kommunalen Projekten

Bordeaux, Frankreich: In einem neu entstehenden Immobilienquartier mit 40.000 Quadratmetern Fläche übernimmt eine SPECTRUM Water Wärmepumpe mit einer Megawatt Wärmeleistung die Wärmeversorgung. Die Anlage nutzt regenerative Wärmequellen mit einer Quellentemperatur von ca. 12 °C.

Braunschweig, Deutschland: Im Stadtquartier „Heinrich der Löwe" mit 600 Wohneinheiten setzt BS Energy eine thermeco2-Hochtemperatur-Wärmepumpe ein. Das EU-geförderte Pilotprojekt demonstriert die effiziente Abwärmenutzung im urbanen Bestandsquartier und liefert Vorlauftemperaturen bis 90 °C — ein Wert, den konventionelle Wärmepumpen nicht erreichen.

Ludwigsburg, Deutschland: Das Landratsamt Ludwigsburg nutzt eine thermeco2-Wärmepumpe zur Wärmerückgewinnung aus dem hausinternen Rechenzentrum. Die Abwärme des Rechenzentrums wird als Wärmequelle erschlossen — ein Beispiel für die wirtschaftliche Nutzung industrieller Abwärme in kommunalen Liegenschaften.

Lösungen für kommunale Wärmenetze

Für Städte und Kommunen, die eine Großwärmepumpe in ihr Wärmenetz integrieren möchten, bietet ENGIE Refrigeration zwei Produktlinien an.

SPECTRUM Water ist in zwölf Grundmodellen mit einer Nenn-Wärmeleistung von 350 bis 3.100 kW verfügbar. Die Anlage zeichnen Wärmeträgeraustrittstemperaturen bis 65 °C, ölfreies Maschinendesign mit magnetgelagerten Turboverdichtern und eine optionale Smart-Grid-Schnittstelle für netzdienlichen Betrieb  aus.

thermeco2 ist die Hochtemperatur-Wärmepumpe für Vorlauftemperaturen bis 90 °C — mit dem natürlichen Kältemittel CO₂. In Leistungsstufen von 90 bis 1.000 kW verfügbar, eignet sie sich besonders für Bestandsnetze mit hohen Temperaturanforderungen und für Abwärmenutzungskonzepte in Quartieren und Kommunen.

Die Transformation der Wärmeversorgung erfordert eine sorgfältige Planung — von der Wärmequellenanalyse über die Systemauslegung bis zur Fördermittelstrategie. Unsere Experten unterstützen Städte, Kommunen und Energieversorger bei jedem Schritt dieses Prozesses.

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Autorenprofil

Andreas Kuhn
Andreas Kuhn ist spezialisiert auf Lösungen für die Industrie- und TGA-Branche. Der Diplom-Ingenieur für Verfahrens- und Umwelttechnik und zertifizierte Business Development Manager berät die Kundinnen und Kunden von ENGIE Refrigeration rund um nachhaltige Konzepte für die Wärmewende. Dabei liegen seine fachlichen Schwerpunkte auf Strategieentwicklung, Business Development und Sales.

Andreas Kuhn verfügt über fundierte Marktkenntnisse im DACH-Raum und über langjährige Branchenkenntnisse in der Chemie- und in der Lebensmittelindustrie sowie in der Industriekälte, mit einem besonderen Fokus auf Produkten mit Ammoniak. Eine ausgeprägte Expertise in der Planung und Umsetzung komplexer Projekte bringt er auch durch berufliche Stationen bei führenden Unternehmen der Kälte-, Klima- und Wärmetechnik mit, wo er beispielsweise Ammoniakkälteanlagen in Mexiko oder innovative Wärmepumpenlösungen in Deutschland realisierte. Bereits seit vielen Jahren engagiert sich der Kälte- und Wärmeexperte aktiv im Bundesverband Wärmepumpe (BWP) im Bereich nachhaltiger Energielösungen.

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Häufig gestellte Fragen zur Großwärmepumpe


Was ist eine Großwärmepumpe?

Eine Großwärmepumpe ist eine industrielle Wärmeerzeugeranlage mit einer Wärmeleistung von typischerweise mehreren hundert Kilowatt bis in den Megawatt-Bereich. Sie nutzt das physikalische Prinzip des Wärmepumpenprozesses, um Energie aus Umwelt- oder Abwärmequellen auf ein nutzbares Temperaturniveau anzuheben. Im Unterschied zu Haushalts-Wärmepumpen sind Großwärmepumpen für die Einspeisung in Wärmenetze und die Versorgung ganzer Stadtquartiere ausgelegt. Sie gelten als Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung der Fernwärme.


Wie viel kostet eine große Wärmepumpe?

Die Investitionskosten hängen stark von Leistungsgröße, Wärmequelle und Systemintegration ab. Anlagen im Bereich 350 kW bis 3 MW liegen typischerweise im Bereich mehrerer hunderttausend bis mehrerer Millionen Euro. Über die BEW können Investitionszuschüsse von bis zu 40 % der förderfähigen Kosten beantragt werden. Eine individuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung ist empfehlenswert, da Strompreise, Wärmequelle und Betriebsstunden die Amortisationszeit maßgeblich beeinflussen.


Wie viel kW hat die größte Wärmepumpe?

Die leistungsstärksten Großwärmepumpen weltweit erreichen Wärmeleistungen von mehreren hundert Megawatt. In Europa sind Anlagen mit 50 bis 200 MW in Fernwärmenetzen im Einsatz, zum Beispiel in Skandinavien. In Deutschland werden aktuell Projekte im zweistelligen Megawatt-Bereich realisiert. Die SPECTRUM Water ist in Grundmodellen bis 3.100 kW verfügbar; durch Kaskadierung mehrerer Einheiten lassen sich deutlich höhere Gesamtleistungen erreichen.


Was ist das größte Problem bei einer Wärmepumpe?

Die häufigsten Herausforderungen bei Großwärmepumpen in Wärmenetzen sind die Verfügbarkeit geeigneter Wärmequellen, hohe Vorlauftemperaturen in älteren Bestandsnetzen (oft >80 °C), wasserrechtliche Genehmigungen sowie der Planungs- und Genehmigungsaufwand. Viele dieser Hürden lassen sich durch frühzeitige Systemplanung und BEW-Förderung adressieren. Hochtemperatur-Wärmepumpen wie die thermeco2 lösen das Temperaturniveau-Problem für Bestandsnetze.


Welche Wärmequellen eignen sich für Großwärmepumpen in Wärmenetzen?

Großwärmepumpen können Flusswasser, Seewasser, Grundwasser, Abwasserwärme, industrielle Abwärme und Geothermie erschließen. Abwasserwärme ist in urbanen Gebieten gut verfügbar und weist ein stabiles Temperaturniveau auf. Industrielle Abwärme aus Rechenzentren oder Kälteanlagen kann effizient genutzt werden. Geothermie bietet sehr konstante Quelltemperaturen, erfordert aber eine standortspezifische Erschließung. Die Wahl der Wärmequelle beeinflusst maßgeblich Systemeffizienz, Investitionskosten und Genehmigungsaufwand.

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